Dies ist ein Artikel aus dem Blog-Archiv und kann veraltete Informationen beinhalten.
Artikeldatum: 30. 12. 2010

Das Elbhangfest-Blog

Staffelstabübergabe für das Elbhangfest

Interview mit Kerstin Kochan und Mandy Mitter

Mandy, wie hast Du das Elbhangfest kennengelernt? – Welches Festthema war »Dein« erstes?
Ich kenne das Elbhangfest über eine Praktikumsausschreibung an der Hochschule Zittau/Görlitz. Das Praxissemester meines Kulturmanagementstudiums stand an und der Elbhangfest e. V. suchte tatkräftige Unterstützung. Eine Dresdner Freundin berichtete begeistert von ihren Elbhangfestbesuchen, so dass die Bewerbung schnell geschrieben war. Und so arbeitete ich 2005 beim 15. Elbhang­fest »Nehmt hin die Welt! rief Zeus von seinen Höhen«. Ich kann mich heute noch gut erinnern, dass das Motto etwas Erklärungsbedarf beinhaltete. Das Fest widmete sich dem Schillerjahr und der Ernennung des Elbtals zum UNESCO-Welterbe.

Wie wirkte das doch eher historisch anmutende Festthema auf Dich als damals 21-Jährige?
Ich fand die Themen interessant und überregional bedeutend. Wenn man ein halbes Jahr lang täglich an den Schlössern vorbei übers Blaue Wunder zur Elbhangfest-Gartenlaube radelt, entwickelt man selbst eine Liebe zu dieser Kulturlandschaft. Und noch viel mehr zu den Elbhangbewohnern. Ich fühlte mich schnell in die Vereinsaktivitäten integriert und staunte über soviel bürgerschaftliches Engagement, Kreativität und Herzblut. Ich hätte nie gedacht, dass es so was in einer Großstadt gibt. Das Praktikum war einfach nah am Leben und an den Menschen dran, es hieß anpacken, selbst gestalten, Verantwortung übernehmen und ausprobieren. Das hat mich als jungen Menschen mitgerissen, sowas lernt man eben nicht in der Hochschule. Und als Dank bin ich dem Elbhangfest seitdem treu geblieben…

Kerstin, Du hast seit 2007 die Elbhangfest-Geschäfte erfolgreich geführt. Welches »Deiner Feste« war Dein Lieblingsfest?
Wenn man überhaupt ein Fest hervorheben kann, dann war es gleich 2007 das 17. Elbhangfest unter dem Motto »Schau an der schönen Gärten Zier«. Es ist uns bei diesem Fest besonders gut gelungen, Anwohner zum Mitmachen anzuregen. Ganze »Heerscharen« von Besuchern haben die Gelegenheit genutzt, auch abseits der Pillnitzer Landstraße Einblick in sonst private Gärten und Parkanlagen zu nehmen und die liebevollen kulturellen und kulinarischen Angebote der Anwohner zu nutzen. Nicht wenige der Gärten, die in dem Jahr das erste Mal mitgemacht haben, sind immer noch dabei und inzwischen zum festen Bestandteil der Elbhangfeste geworden, z. B. das Plantagengut in Hosterwitz.

Dieses Fest (Anmerkung: Elbhangfest 2010) war das bisher auch wirtschaftlich erfolgreichste Elbhangfest. Was, denkst Du, sind die Gründe dafür?
Wir waren ja mit einem kräftigen Minus in jenes Jahr gestartet und mussten einen Sparhaushalt so gut wie möglich umsetzen, ohne dass die Attraktivität des Festes darunter leiden sollte. Klar war also, dass ein Thema her muss, bei dem wir viel aus eigenen Kräften und mit eigenen Mitteln verwirklichen können. Und das hat Dank der Hilfe ganz Vieler wirklich gut funktioniert. Und wenn blühende Gärten, gastfreundliche Menschen und wunderbares Wetter beste Feststimmung verbreiten, zeigt sich das zum Schluss auch in der Kasse.

Elbhangfeste organisieren bedeutet auch richtigen Stress. Was sind für Dich eher ungute Erinnerungen?
Um es gleich vorweg zu sagen – die guten Erinnerungen überwiegen. Dennoch stimmt es, dass man spätestens ab Anfang März bis Ende Juli unter permanenter Hochspannung steht – so viele Dinge sind eigentlich zeitgleich zu erledigen. Mehrmals wöchentlich noch abendliche Treffen mit den ehrenamtlichen Organisatoren kommen dazu, deren Anregungen und Ideen der Hauptbestandteil des Festes sind. Und da ärgert es mich beispielsweise Jahr für Jahr, wenn deren viele Arbeit nicht die entsprechende Anerkennung findet bzw. sogar unterstellt wird, der eine oder andere könne aus dem Fest noch einen persönlichen Vorteil ziehen, was definitiv nicht der Fall ist oder zumindest in keinem Verhältnis zum ehrenamtlichen Aufwand steht. Ärgerlich war auch, wenn Probleme jedes Jahr erneut gleich auftreten – obwohl die Abstellung besprochen und Änderungen betrieben wurden. Damit ist überzogene Lautstärke an manchen Veranstaltungsorten genauso gemeint wie Müll, der von Veranstaltern in privaten Grundstücken am Montagmorgen dem Elbhangfest zur Entsorgung hingestellt wird oder auch unfreundliches Verhalten bezahlter Mitarbeiter gegenüber unseren Gästen.

Mandy, Du hast seit 2005 jährlich das Parkfest Pillnitz betreut.
Was waren dabei Höhe- und Tiefpunkte?

Höhepunkte waren definitiv 2009 die Performance »La nuit d’amour« von Marion Hempel und die »Oper ohne Schiff« von Tom Röder beim 16. Elbhang­fest. Wobei ich auch immer gerne in die Heckengärten schlüpfe und mich über lachende Kinder beim Puppentheater freue. Unmut kommt bei mir auf, wenn ich an das Abschlusskonzert 2007 denke, die »Carmina Burana« im Lustgarten. Ein Traum der Organisatoren, ein Konzert im Lustgarten zu machen, ging in Erfüllung. Aber leider wollten die Besucher nicht einsehen, dass für das vermeintlich große Gelände nur 1.000 Gäste zugelassen und auch Wiesen und Beete nicht als Sitzflächen geeignet sind. Das erwachsene Menschen auf derart egoistische und unvernünftige Weise sich allen Sicherheitsvorschriften widersetzen, hat mich schockiert.

Kerstin, welche Empfehlungen möchtest Du Mandy mit auf den Weg geben?
Nutze das Wissen und die Erfahrung aller, die das Elbhangfest in den letzten Jahren organisiert und betreut haben, allen voran Vera Steinfelder-Kleint im Elbhangfestbüro. Vertraue auf Deine ehrenamtlichen Mitarbeiter, die bisher für noch jedes Problem eine Lösung gefunden haben und Dich ganz sicher kräftig unterstützen werden. Mach Dich mit den Anwohnern und Gewerbetreibenden am Hang bekannt. Und lass Dich vor allem nicht entmutigen, wenn nicht alles gleich so gelingt, wie Du es Dir vorstellst. Und schau vor dem Festwochenende nicht zu oft den Wetterbericht – das macht nur noch nervöser. Für das kommende Jahr haben wir meiner Meinung nach ein spannendes Thema ausgewählt, welches auf vielfältigste Weise mit Inhalten gefüllt werden wird und auf das ich mich als Gast schon sehr freue.

Mandy, Du hast Dich inzwischen mit der Konzeption für 2011 intensiv beschäftigt. Was gefällt Dir besonders, welche Akzente möchtest Du setzen?
Ich musste zunächst Zugang zu dem Thema Lingner finden und lese gerade seine Biografie. Dieser Mann war ein richtiger Vordenker, seine Werbekampagnen find ich göttlich. Lingner war aber nicht nur geschickter Unternehmer, sondern auch verantwortungsvoller Bürger und damit Vorbild für heutige Kultursponsoren. Ich freue mich, ihm zu Ehren ein Fest zu gestalten, vor allem das Kuss-Thema hats mir als frisch verheirateter Frau angetan. Zudem wünsche ich mir, dass der Elbhang-Dampfer ein weithin sichtbares und verbindendes Element innerhalb des Elbhangfestgeländes wird. Gerne hätte ich die Zeit, um all die offenen Gärten und kleinen Bühnen zu erkunden, die das Elbhangfest so einzigartig machen. Das Elbhangfest lebt von vielen kleinen Highlights, und so soll es bleiben.

Die Fragen stellte Holger Friebel.

Staffelstabübergabe für das Elbhangfest

Staffelstabübergabe für das Elbhangfest

Die ehemalige (Kerstin Kochan, rechts) und die neue Geschäfts­führerin Mandy Mitter.

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