Zeitreise 1995

Das 5. Elbhangfest 1995

Das fünfte Elbhangfest erinnerte an den großen Aufbruch des Hanges, die Gründerzeiten und feierte die Jubilarin Standseilbahn – sie wurde 100 Jahre alt.

Drahtseilbahn und Weinbergschnecke – der Hang nach oben

…lautete unser Motto. Auch dies ein Spiel heiteren Sinns, wiewohl der Spaß nicht mehr nur spaßig ist. Allerlei Spekulation wollte sich neuerdings in Beton an diesem Hang etablieren. Vielleicht sorgte auch unser Volksvergnügen ein bißchen mit für jene Stimmung, was da so mächtig »nach oben« drängt, wieder auf den Teppich zu holen. Ein sinnvoller, bewahrender Nebeneffekt wäre es wohl.

Aus der Rede des Standseilbahn-Schaffners Bahnert (Tom Pauls)

»…Doch sei, verehrte Hörerschaft, besonders aufmerksam gemacht, auf einen wahren Blickefang, am grün bewachsnen Loschwitzhang. Ich mein den Veilchenwege fünfzisch, ihr Leute, seid doch bloß vernünfdisch, und lasset euch in gutem Glauben, blos nicht diese Schönheit rauben. …«

Ach meine Bahn, du brauchst dich nicht verstecken, vor allen diesen Weinbergschnecken, die in den Hängen in aller Ruh’, mei’m Drahtseilbähnl guggen zu. Im Gegenteil, man muß sie loben, sie weist den Weg am Hang nach oben. Ferner gilt hier die Erwähnung, daß trotz des Zugseils sanfter Dähnung, das Bähnl keinesfalls sich sänkt, und wie am seidnen Faden hängt.

Viele Pleiten – das ist bekannt – die Bahn mit Würde überstand. Freilich wars manchmal schwer. Rauf und runter, hin und her, als Schaffner auf der Plattform stehend, Gewitter über sich ergehend, bei Sturm und Hagel, Schnee und Gießen, die Klapptür off und zu zu schließen. Sechzehn Stunden wunde Beene, mußt ich stehn, das war gemeene. Schon immer hat es ein Problem mit den Fahrpreisen gegem. Die haben auch den Hang nach oben, und werden ständig überboten. Früher kostete die Fahrt zwanzsch Pfennge, mit zweeäfuftzsch wirds heute enge. Trotzdem mußsch mei Bähnel loben, sie weist den Weg am Hang nach oben.
Heute sitze ich geschützt, so wie jeder Fahrgast sitzt. Und genieße voller Glück, auf der Strecke freien Blick.

Über Blasewitz nadierlich, und Elbe, Kreischa undn Bierlich…
Doch sei, verehrte Hörerschaft, besonders aufmerksam gemacht, auf einen wahren Blickefang, am grün bewachsnen Loschwitzhang. Ich mein den Veilchenwege fünfzisch, ihr Leute, seid doch bloß vernünfdisch, und lasset euch in gutem Glauben, blos nicht diese Schönheit rauben. Denn Leute gibts, nicht grade wenig, verehrte Gäste, werter König, die sich am Egoismus laben, und auch den Drang nach oben haben, obwohl sie eigentlich ganz unten,
hingehören diese Lumpen.

Doch Schluß für heut mit den Problemen, wir wollen feiern, ni nur reden. … Der Festumzug soll nun beginnen, der Bahnert begibt sich nun nach drinnen, der Fahrplan wird niemals verschoben, ich spühr ihn selbst, den Hang nach oben.

Aus der Zeittafel zum Standseilbahn-Jubiläum

  • 1895: Einweihung der Drahtseilbahn
  • 1897: Gründung der Aktiengesellschaft Drahtseilbahn Loschwitz-Weißer Hirsch.
  • 1899: Bau der Straßenbahn nach Bühlau bringt schwere wirtschaftliche Einbußen.
  • 1899: erfolgt der Anbau eines Elektrizitätshauses an das Maschinenhaus, zwei zusätzliche Dampfmaschinen sorgen für den Antrieb der Generatoren.
  • 1901: Die Einweihung der ersten Schwebebahn der Welt am gegenüberliegenden Hang läßt die Bedeutung der Drahtseilbahn schwinden.
  • 1909: wird auf elektrischen Betrieb umgestellt. zwei Batterien sorgen für die Notstromversorgung.
  • 1911: die Drahtseilbahn und die Schwebebahn werden städtisch.
  • 1913/14: umfangreiche Modernisierung. Alle Anlagen für den Güterverkehr werden abgebrochen und der Schornstein abgerissen.
  • 1923: Im November kostet eine Fahrt 150 Milliarden Reichs-Mark.
  • 1934: werden neue Wagen mit Dienstabteilen und manueller zentraler Türbetätigung in Betrieb genommen.
  • 1940: Änderung des Namens in »Standseilbahn«.
  • 1945: Am 13. Februar beschädigen herabfallende Trümmer des zerstörten Hotels »Burgberg« die Bahnsteighalle in der Talstation, aber die Wagen bleiben unbeschädigt. Der Verkehr ruht bis zum 20. Mai, als die Kraftwerke wieder Strom liefern.
  • 1957: Große Havarie, bei der zum ersten und letzten Mal die Wagenbremsen eingesetzt werden mußten.
  • 1961/62: Große Rekonstruktion mit Inbetriebnahme von neuen Wagen aus der Werkstatt Trachenberge.
  • 1993/94: Generalüberholung der gesamten Anlage einschließlich der Stationen und der Strecke.
Das Plakat zum 5. Elbhangfest 1995

Das Plakat zum 5. Elbhangfest 1995

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